Auftakt zur Mannschaftsmeisterschaft 2022/23: Kirchseeon 1 verliert „last minute“ mit 3,5:4,5 gegen FC Bayern 8

Der SC Kirchseeon spielt in der neuen Saison 2022/23 der Münchner Mannschaftsmeisterschaft wie üblich wieder in der B-Klasse, diesmal in der Staffel B1.

Wie die Auslosung ergab, müssen wir dabei größtenteils gegen die gleichen Vereinsteams und teilweise auch die gleichen Spieler wie in der Vorsaison 2021/22 antreten, die für uns ja de facto eine „Saison 2022“ war, weil die Spiele wegen Corona-Maßnahmen von Januar bis Juli 2022 dauerten. So dürfen wir nun also erneut gegen Bayern München, Schachfreunde München, Roter Turm Altstadt, Tarrasch München und Höhenkirchen 2 spielen. Außerdem sind die zweiten Mannschaften der Schachfreunde Deisenhofen und der SG Aschheim/Feldkirchen/Kirchheim dabei – ebenfalls alte Bekannte aus früheren Jahren, mit denen wir uns schon manche umkämpfte Duelle mit wechselnden Erfolgen geliefert haben. Spielerisch wird es daher sicher nicht einfacher als in der vergangenen „Corona-Saison“ 2022.

Das bekamen wir gleich am ersten Spieltag zu spüren, als wir am 18.11.2022 – genau wie zum Saisonauftakt 2022 im Januar – bei Bayern München 8 in Giesing zum Auswärtsspiel fahren mussten.

Obwohl wir vollständig und in Stammbesetzung (Niedergesäß, Biedenkopf, Langer, Toropchin, Höntschke, Utz, Obpacher, König) angetreten waren, reichte es leider nicht zum Punktgewinn, und wir verloren nach fast 4,5-stündigen Kampf mit 3,5:4,5 (eine echte Unglückszahl !).

Dabei hatte es zunächst gar nicht schlecht ausgesehen: Horst Höntschke hatte an Brett 5 alles im Griff und bestimmte mit Weiß das Spiel. Einige Leichtfiguren abtauschen, Linien für den Turm öffnen und dann Druck auf rückständige oder hängende Bauern machen, lautete sein Rezept. Der Gegner übersah dabei eine Fesselung und verlor eine Figur, wodurch die Partie dann schnell beendet wurde. Auch an den meisten anderen Brettern sah es zu dieser Zeit nicht schlecht aus für uns, nur Rudi König stand unter Druck und musste sich mit Schwarz gegen einen – na klar – Königsangriff verteidigen, der sich bald als stark erwies – Ausgleich zum 1:1. Andrei hatte sich dann aber mit Schwarz etwas zuviel vorgenommen und steckte mit seinem König in der Mitte fest, und das führte letztlich zum Verlust von Material und Partie. Günter Utz einigte sich mit seinem Gegner auf Remis, was auch mannschaftstaktisch durchaus Sinn machte, weil inzwischen Franz Obpacher mit einem Springer mehr auf Gewinn statt. Die Gegnerin kämpfte zwar noch einige Zeit bis ins Endspiel weiter, gab jedoch nach einer Springergabel und Turmverlust schließlich auf. Nun mussten die verbleibenden Partien an den Brettern 1 bis 3 die Entscheidung bringen. Und plötzlich gingen wir durch den souveränen Sieg von Philipp Biedenkopf an Brett 2 wieder in Führung – Philipp überraschte mit einer taktischen Einschlag in die weiße Rochadestellung, was den Gegner dann zu einer Königswanderung Richtung Brettmitte und kurz darauf zur Aufgabe zwang, weil Matt oder Damenverlust unvermeidlich war.

Natürlich war uns bewusst, dass damit noch nichts gewonnen war – schließlich kämpfte Herbert an Brett 1 gegen einen übermächtigen Gegner, nämlich niemanden anders als den Mannschafts- und Jugendabteilungsleiter Günter Schütz höchstpersönlich. Dieser hatte in früheren Jahren mindestens zwei Klassen höher gespielt, lässt es sich aber diese Saison nicht nehmen, seine „Schützlinge“ aus der 8. Mannschaft auch am Brett tatkräftig zu unterstützen. Herbert konnte ihm dank guter Vorbereitung dennoch lange Zeit erfolgreich Widerstand leisten und war nah am Remis dran, erst im Endspiel nutzte der Bayern-Chef dann seine kleinen Stellungsvorteile zum 3,5:3,5-Ausgleich. Leider ist der SC Kirchseeon nicht der FC Bayern und kann nicht mit einem ähnlich spielstarken Mannschaftleiter dienen. So kam es an Brett 2 zu einem Duell auf Augenhöhe, bei dem Christian Langer für Kirchseeon mit Weiß aus der Damengambit-Eröffnung keinen Vorteil herausspielen konnte. Vielmehr geriet er in weitgehend geschlossener Stellung zunehmend durch den schwarzen Bauernaufmarsch am Damenflügel unter Druck und startete deshalb in der Zeitnotphase mit einem Bauernopfer einen riskanten Gegenangriff am Königsflügel. Der Mut der Verzweifelung verfehlte seine Wirkung nicht, weil auch dem Gegner langsam die Zeit davon lief. In vogelwilder Stellung kam dann der lange Zeit kaltgestellte weiße Springer zurück ins Spiel und drohte mit Gabeln, so dass Christian nach einem Fehler von Schwarz kurzzeitig sogar Gewinnchancen hatte, die er aber unter Zeitdruck nicht nutzte. Aber für den Mannschaftserfolg hätte ja auch ein Unentschieden gereicht, was bei ungleichem Material freilich nicht so leicht zu erzwingen war. Nach der Zeitkontrolle im 40. Zug stand dann zunächst auch wieder Schwarz besser, doch durch ungenaues Spiel auf beiden Seiten ergab sich für Christian doch noch einmal eine Chance. Dazu hätte er kompromisslos mit seinen a-Bauern marschieren müssen, er wählte jedoch die scheinbar sichere Alternative und versuchte, zunächst den weit vorgerückten schwarzen c-Bauern mit dem seinem König anzugreifen. Wie sich bald zeigte, war das in dieser Situation genau die falsche Entscheidung („In der größten Not bringt der Mittelweg den Tod“), weil nun der schwarze Springer seinerseits durch Gabeldrohungen und Abzugsschach dem eigenen Freibauern zur Hilfe eilen konnte. Nach erzwungenem Turmtausch und Figurenverlust war die Stellung dann für den Kirchseeoner Mannschaftsleiter nicht mehr zu halten, und der FC Bayern gewann knapp, aber nicht ganz unverdient mit 4,5:3,5 den Tanz auf den Vulkan.

tatsächlich, griff Schwarz