Frühlingsgefühle beim Sieg über „Roter Turm“

Pünktlich zum Frühlingsanfang blühte die erste Mannschaft des Schachclubs Kirchseeon wieder auf und gewann ihr erstes Heimspiel seit mehr als zwei Jahren am 29.3.2022 mit 6,5:1,5 gegen „Roter Turm Altstadt 4“ aus München.

„Roter Turm“ – das wäre zumindest geographisch auch ein passender Name für den Kirchseeoner Schachclub gewesen, wenn wir an das Aussehen unseres Rathaus-Turms denken, oder an den denkmalgeschützten achteckigen Wasserturm auf dem Gelände des ehemaligen Bahnschwellenwerks hinterm Kirchseeoner Bahnhof. Doch unsere Gründerväter bevorzugten im Jahr 1982 offensichtlich die farbneutrale Namensgebung „SC Kirchseeon“. Vielmehr war es die lokale SPD, die kurze Zeit später den alten Wasserturm mietete und renovierte, und ihn von 1987 bis 1993 tatsächlich unter dem Namen „Roter Turm“ erfolgreich als Kulturzentrum und Bürgertreff betrieb, während der Schachclub Kirchseeon beim nahegelegenen „Brückenwirt“ spielte. Aber auch das passte durchaus zusammen,  schließlich ist der „Brückenbau“ ja ein wichtiges Manöver im Turmendspiel.

Zurück zum aktuellen Spiel im „Café zam“: Erstmals in dieser Saison konnten wir alle Tische besetzen, wobei Herbert an Brett 1 kampflos gewann. Entscheidend war aber das Ergebnis an den hinteren Brettern – eine 8er-Mannschaft muss vor allem in der Breite gut aufgestellt sein. Letzteres erreichten wir u.a. durch den Einsatz unseres „Edeljokers“ Rudi König an Brett 8. Der legte gleich los wie die Feuerwehr und spielte – na was wohl – Königsangriff, zerlegte mit einem Springeropfer die Verteidigung des Gegners und bedrohte dessen König fortwährend, bis dieser das Handtuch warf. Philipp Biedenkopf hatte mit Weiß bereits in der Eröffnung einen Bauern gewonnen, doch der Gegner griff mutig an und fand plötzlich einen starken Opferzug, der Philipp an den Rand einer Niederlage gebracht hätte – wenn nicht Schwarz im nächsten Zug den Vorteil gleich wieder hergeschenkt hätte. Das macht eben die Spannung im Schach aus – das Spiel ist erst gewonnen, wenn es wirklich beendet und das Ergebnis eingetragen ist. Diese Erfahrung musste bei uns auch Suresh an Brett 6 machen: Seine Position sah lange Zeit gut aus, er verrechnete er sich aber und verlor die Partie unglücklich.  Auch Günter schaffte es nicht ganz – er verlor den zuvor erkämpften Mehrbauern im Endspiel wieder, sicherte jedoch einen wichtigen halben Punkt, der uns dem Mannschaftssieg ein gutes Stück näher brachte. Christian war mit Schwarz gut aus der Eröffnung heraus gekommen, tat sich aber bei geschlossenem Zentrum unnötig schwer, den richtigen Plan zu finden. So war hier der gefährlichste Gegner die begrenzte Bedenkzeit. Nach einem Stellungsfehler des Weißen konnte der Kirchseeoner Mannschaftsleiter dann aber mit einem Bauerndurchbruch im Zentrum die Initiative an sich reißen und Material gewinnen und die restlichen Züge bis zur Zeitkontrolle erfolgreich bestehen, dadurch führte unser Team uneinholbar mit 4,5:1,5. Richtig stark waren dann noch die Zugaben: Andrei spielte einen technisch brillanten Angriff, machte mit allen Schwerfiguren Druck auf die schwarze Rochadestellung und gewann schließlich durch Ausnutzung mehrerer Fesselungen einen ganzen Turm. Benno hatte seinen Gegner souverän im Griff, dieser wehrte sich zwar noch lange, gab dann im Endspiel mit einer Figur weniger auf.  Insgesamt also eine schöne Mannschaftsleistung und ein klarer Sieg, der uns viel Schwung für die für die nächsten Spiele geben wird.